Im Jahr 2011 jährt sich zum 200. Mal der Todestag des Dichters Heinrich von Kleist (1777-1811). Kleist, der hätte Offizier werden sollen, als Finanzverwalter versagte und wegen Verdachts auf Spionage von den Franzosen hinter Schloss und Riegel gebracht wurde, hat der Nachwelt ein Werk hinterlassen, das zwar schmal ist, aber noch heute bewegt und aufwühlt. Er verstand es beispielsweise, das antike Stück um Penthesilea mit einer solchen Kraft zu gestalten, dass „eine dramatische Urerschütterung davon ausgehe, jener mythische Schauer, der heilige Schrecken der Antike“ (Thomas Mann). Doch das Ansehen, das Kleist gebührt, wurde ihm erst nach dem „herrlichsten und wollüstigsten aller Tode“, seinem Freitod am 21. November 1811, zuteil; und hierzu meinte wiederum Thomas Mann: „Ein Leben braucht nicht 80 Jahre zu währen, um auf seine Art voll bestanden und siegreich vollendet zu sein.“
Robert Walsers Text „Kleist in Thun“, der 1907 erschienen ist, bringt auf den Punkt, dass Heinrich von Kleist einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Sprache ist und bleibt. Die Erzählung zeigt aber auch auf, dass Thun eine wichtige Rolle für den Dichter gespielt hat und mehrere Werke, insbesondere „Der zerbrochene Krug“, hier ihren Ursprung haben.
Heinrich von Kleist hat 1802 und 1803 zweimal für einige Zeit in Thun gelebt und beabsichtigte anfänglich, im Geiste Rousseaus Bauer zu werden. Die kleine Delosea-Insel, auf der er wohnte, wird heute oberes Inseli genannt. Die Stadt Thun plant in internationaler Vernetzung mit anderen „Kleist-Orten“ (u.a. Frankfurt an der Oder und Berlin) diverse künstlerische und wissenschaftliche Veranstaltungen. Mit der Veranstaltungsreihe „Kleist in Thun 2011“ sollen der Dichter und sein Werk in Erinnerung gerufen und auf vielfältige Art und Weise vergegenwärtigt werden.
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