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Das Kleist-Jahr 2011
wird gefördert durch die

Kulturstiftung

Blick hinter die Kulissen #01

Wie entsteht die große Kleist-Ausstellung? Wie viele Menschen arbeiten daran und welche Berufe haben Sie? Mit welchen Herausforderungen haben die Macher der Ausstellung zu kämpfen? In loser Folge berichten wir über die Planung und Realisierung der großen Ausstellung über Heinrich von Kleist und werden dabei immer konkret einem Beteiligten „über die Schulter schauen“.


Dem Ausstellungsmacher über die Schulter geschaut

Jan Mende ist Historiker und arbeitet als Projektsteuerer bei der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Er besitzt langjährige Erfahrungen in der Entwicklung und Umsetzung von Ausstellungen. Seine Aufgabe ist es, zusammen mit anderen Projektmitarbeitern die Inhalte der Ausstellung zu entwickeln.

Frage: Herr Mende, wie kann man einen Literaten spannend in einer Ausstellung darstellen?

Antwort: Durch das Auslegen von Manuskripten, Büchern und Briefen allein ganz sicher nicht. Wir binden Kleist in Rauminszenierungen ein, werden die Person des Dichters aus unterschiedlichen Sichtwinkeln zeigen, und gestalterisch Überraschungen bereithalten. Kleists gebrochener Lebenslauf ist für diese Herangehensweise hervorragend geeignet.

F: Müssen Sie jetzt schon jeden Schildchen, jeden Text, jedes Bild in der Ausstellung benennen?

A: Gegenwärtig werden die Inhalte für die beiden Ausstellungshäuser bestimmt und Themen für die einzelnen Räume festgelegt. Da die konkrete Objektrecherche erst begonnen hat, werden wir die Ausstellungsbeschriftung erst in einigen Wochen angehen.

F: Was interessiert Sie persönlich an dem Thema?

A: Kleist ist ein innovativer Mensch, der persönliche Krisen und die großen Verunsicherungen seiner Zeit kreativ nutzte, um Neues zu wagen. Das Streben nach Glück, die Suche nach dem Platz im Leben sind große Themen bis heute. Dass der Dichter seinem Dasein selbst bestimmt ein Ende setzte, war der tragische Endpunkt eines radikalen Lebensentwurfs.

F: Was ist für Sie die größte Herausforderung?

A: Über der eigenen Fachkenntnis nicht die Ansprüche des Ausstellungsbesuchers aus den Augen zu verlieren.

F: Arbeiten Sie alleine oder in einem Team?

A: Eine Ausstellung solchen Ausmaßes ist immer Teamarbeit. Viele Texte und Recherchen werden von Einzelnen erarbeitet, und unterliegen dann einer Überarbeitung in der Gruppe.

F: Wie finden Sie die Objekte und Materialien, die Sie in der Ausstellung zeigen wollen?

A: Durch den Austausch mit Fachleuten und die Auswertung von Literatur vor allem. Doch werte ich zunehmend auch die Online-Kataloge der Museumssammlungen aus. Die eigentliche Objektauswahl geschieht vor Ort, wie in der Theatersammlung des Stadtmuseums Berlin, die in einem Zentraldepot in Spandau gelagert ist.

F: Haben Sie bei der Objektrecherche bislang eine Neuentdeckung machen können, die der Fachwelt bislang unbekannt war?

A: Leben und Werk von Kleist sind sehr gut erforscht und echte Entdeckungen daher rar. Im Archiv der Akademie der Wissenschaften in Berlin konnte ich jedoch die Zeichnung einer Tauchmaschine von 1798 entdecken. Vielleicht kannte Kleist diese Erfindung, denn kurze Zeit später entwarf er selbst ein ganz ähnliches U-Boot.