Ausstellungen im Kleist-Museum und anderswo 2018

Ach! Echt? Kleist.
Heinrich von Kleist an Ulrike von Kleist.
Brief vom 13. und 14. März 1803.
Die Ausstellung zur Neuerwerbung


Ausstellungsdauer: 22. April bis 24. Juni

Mit der Ausstellung „Ach! Echt? Kleist“ und der begleitenden Faksimile-Ausgabe präsentiert das Kleist-Museum eine verloren geglaubte Kleist-Handschrift erstmals der Öffentlichkeit.
Genau an Heinrich von Kleists 205. Todestag im November 2016 erreichte uns die Nachricht, dass ein berühmter Briefschluss in einem österreichischen Antiquariat angeboten werde. Das Blatt galt, seit Ulrike von Kleist es abgeschnitten und an eine Freundin verschenkt hatte, als verschollen. Zugleich ist der „Abschnitt“ von Legenden umrankt. Die Nachricht des Wiederauftauchens war eine kleine Sensation – sensationell aber auch der Preis. Nach über einem Jahr, mit der Unterstützung von Fachgutachtern und der öffentlichen Hand, vor allem aber dank über 120 Wort-Paten, die an der Spendenaktion „Ein Stück Kleist“ teilnahmen, ist es im Februar 2018 gelungen, den Erwerb zu sichern und den Brief ins Kleist-Museum zu bringen. Nicht nur die Frankfurter machten in ihrer Begeisterung dem Sohn ihrer Stadt alle Ehre. Kleist-Freunde und Kleist-Forschende bundesweit und darüber hinaus halfen, diesen Brief zu erwerben und so für alle zugänglich zu machen.

Neben der Seltenheit von Kleist-Originalen liegt das Besondere des Briefes und der an die Familie zuhause gerichteten Grüße in seinem selten! – fröhlichen Ton. Der Brief an Schwester Ulrike markiert einen möglichen Wendepunkt in Kleists Leben, seinen Plan, in der Schweiz „im eigentlichsten Sinne ein Bauer [zu] werden“, hat er ad acta gelegt, sein erstes Drama ist erschienen. Er überlegt nach Frankfurt zurückzukehren und sich als Dichter zu erproben.

Die Ausstellung präsentiert neben dem Original-„Stück“ die aktuelle „Aktenlage“ zu dem Fragment, eine Bestandsaufnahme, die zu neuen Fragen an Kleist, seine Handschrift und seine Überlieferung einladen will. Herzlich willkommen in der „Mittelstube“ des Kleist-Museums!


Der Erwerb der Handschrift wurde unterstützt durch die Kulturstiftung der Länder, das Land Brandenburg und 129 private Spender.

 

 


Penthesilea: SchlachtGänge zwischen Text und Inszenierung

Plakat: © Peter Fetthauer

Ausstellungsdauer: 24. Februar bis 8. April 2018

Erst 68 Jahre nach Veröffentlichung des wortgewaltigen Dramas wurde Kleists Penthesilea uraufgeführt. Zeitgenossen verschrien das Stück als bühnenuntauglich. Mittlerweile stellen sich viele Bühnen der Herausforderung und setzen das vermeintlich Undarstellbare in Szene. Die hierbei oft irritierenden Interpretationen werfen Fragen auf: Können die im Text aufeinander schmetternden Heere durch ein Ensemble verkörpert werden? Ist der blutige und gewaltvolle Tod des Achill in Bilder zu fassen? Können Bühnenräume aus Kleists Worten entstehen? In mehreren Stationen führt die Ausstellung durch verschiedene Penthesilea-Inszenierungen der letzten Jahrzehnte und entfaltet Begegnungen zwischen Text und Theater.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Seminares „Kleist inszenieren, Kleist ausstellen“ von Studierenden der Freien Universität konzipiert.
Seminarleitung: Prof. Dr. Anne Fleig und Dr. Barbara Gribnitz

Vernissage mit Lesung: 23. Februar 2018, 17 Uhr

Von der weißen Wand zur Vernissage der Ausstellung:
Bilder aus dem Arbeitsprozess


Im Dialog mit Käthe Kollwitz: Wieland Förster

Wieland Förster: Selbstbildnis mit Kleist, 1977; Foto: © Kleist-Museum

Ausstellungsdauer: 2. November 2017 bis 18. Februar 2018
Ausstellungsort: Berlin

Wieland Förster (* 1930) gehört zu den wichtigsten deutschen Bildhauern der Nachkriegszeit. Mit Käthe Kollwitz verbindet ihn die Kraft, eigenes Leid im Krieg in Werke zu übersetzen, deren Kraft Klischees sprengt. Mit Heinrich von Kleist beschäftigten sich beide Künstler in kritischen Zeiten. Das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin bringt die beiden großen Bildhauer in einen Dialog der Werke – und auch über Kleist.

Ort:
Käthe-Kollwitz-Museum
Fasanenstraße 24
10719 Berlin

Öffnungszeiten: täglich, 11 bis 18 Uhr

Eine Ausstellung des Käthe-Kollwitz-Museums in Kooperation mit der Wieland-Förster-Stiftung bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Kleist-Museum Frankfurt (Oder).


Worte, Worte, nichts als Worte. Wortgeschichten von Luther und Kleist

Sonderausstellung des Kleist-Museums

8. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018

verlängert bis 4. Februar 2018

Martin Luthers Werke stehen am Beginn der Entwicklung einer überregionalen deutschen Schriftsprache. Dieser Prozess wurde erst in Heinrich von Kleists Schaffenszeit abgeschlossen. Luthers Sprachmächtigkeit errichtete der deutschen Sprache ein reiches Fundament an Wörtern, Bildern und Stilelementen, das – nach Jacob Grimm – um 1800 „endlich blüthen neuer Poesie“ hervorbringen konnte.

In diesem Sinne fahndet die Ausstellung nach Spuren der Luthersprache in Kleists Texten. Beispielsweise greift der Untertitel des Dramas Das Käthchen von Heilbronn Luthers Wortschöpfung „Feuerprobe“ auf (Sprüche 17,3), und in den Erzählungen Michael Kohlhaas und Der Zweikampf findet sich die veraltete Bezeichnung „Reisiger“, die nur noch über die Lutherbibel (1 Mos 50,9; 1 Kön 4,26) transportiert wurde. Auch Klang und Funktion der Kleistschen Erzählerformel „nun traf es sich“ stellen eine Verbindung zum biblischen „es begab sich aber“ her. Deutliche Parallelen lassen sich zudem zwischen Luthers hörerbezogener Zeichensetzung und Kleists grammatikalisch regelwidriger Kommasetzung ziehen.

Über Kleist hinaus, der als Verbindungsglied zwischen Neuzeit und Moderne fungiert, verfolgt ein Seitenblick den Weg der Lutherworte in unsere heutige Sprachpraxis: Welchen Veränderungen ist Sprache ausgesetzt? Wie hängen Macht und Sprache zusammen? Welche aktuellen Entwicklungen lassen sich erkennen?

Die Ausstellung wird eine komplexe Rauminstallation umfassen, die den Besucher_innen ein spielerisches (Wieder)Entdecken der lutherischen Sprache und eine interaktive Suche in den Texten erlaubt. Begleitet wird die Ausstellung durch Lesungen, Workshops, Spezialführungen und weitere thematische Veranstaltungen.

Kuratorin: Barbara Gribnitz
Gestaltung: Panatom Corporate Communication, Berlin

Vernissage: 7. Oktober, 17 Uhr

Die Ausstellung wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie Kulturland Brandenburg e. V.