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Das deutscheste Drama. Kleists "Herrmannsschlacht" und der Zeitgeist

Ausstellungsdauer: 4. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021

Heinrich von Kleists Drama Die Herrmannsschlacht hat eine wechselvolle Wirkungsgeschichte. Das ist vor allem dem Gegensatz zwischen Kleists Stoffwahl und seiner komplexen Ausgestaltung dieses Stoffes geschuldet.

In der sogenannten Hermanns- oder Varusschlacht vernichteten im Jahre 9 verbündete germanische Stämme unter der Führung eines Arminius (Hermann) drei Legionen des römischen Statthalters Varus. Dieses Ereignis wurde seit dem 15. Jahrhundert zum Gründungsmythos einer vereinten und freien deutschen Nation geformt. Kleists Herrmann jedoch ist kein edler Held, sondern betrügt und manipuliert jeden, sogar seine Ehefrau, um Haß gegen die Römer zu entfachen. Szenen radikaler Grausamkeit demonstrieren deutlich, welche Kosten an Menschlichkeit jeder Krieg fordert.

Nationalmythischer Gegenstand in abgründiger Darstellung – dieser Zwiespalt bestimmt auch die Aneignung der Herrmannsschlacht durch die Theater. Kleist bezeichnete sein Drama als "einzig und allein auf diesen Augenblick berechnet" und wollte es unter jeder Bedingung gespielt wissen (Brief an Collin, 20. April 1809). Doch erst am 18. Oktober 1860 wurde es uraufgeführt. Was passiert, wenn ein Stück nach seinem eigentlichen Augenblick, unter einem neuen Zeitgeist auf die Bühne gebracht wird?

Diese Frage aufnehmend, folgt die Ausstellung dem Weg der Herrmannsschlacht durch die deutschsprachigen Theater zwischen 1860 und 2019. Die aktuellste Inszenierung aber entsteht am Ende der Ausstellung: Mit Hilfe von Textausschnitten, Bühnenbildern und Requisiten können die Besucher*innen ihre ganz eigenen Herrmannsschlachten auf die Bühne bringen.

Kuration: Barbara Gribnitz

Gestaltung: Panatom Corporate Communication

Vernissage mit Theaterspiel: Sonntag, 4. Oktober 2020, 11 Uhr

Bitte beachten Sie: Aufgrund der geltenden Abstandsregeln sind die Plätze des Kleist-Museums begrenzt. Eine Voranmeldung ist deshalb erforderlich: Tel. Kasse: 0335-387 221 30, E-Mail: kasse@kleist-museum.de.


Gesprächsreihe in Medienpartnerschaft mit der F.A.Z.

Am Beispiel des umstrittensten Stück Heinrich von Kleists beschäftigt sich die Sonderausstellung "Das deutscheste Drama. Kleists Herrmannsschlacht und der Zeitgeist" mit bis heute brisanten Themen wie Nationalismus, Propaganda oder Ge- bzw. Mißbrauch von Literatur. Um eine Diskussion dieser Fragen anzustoßen, laden das Kleist-Museum und die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu vielstimmigen Debatten ein.

Kaube trifft (I)

Sonntag, 4. Oktober 2020, 14 Uhr

In der ersten Gesprächsrunde spricht Jürgen Kaube, Mitherausgeber der F.A.Z., mit der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, dem Journalisten Jens Bisky und dem Theaterregisseur Dušan David Pařízek über die verblüffende Aktualität des Kleist’schen Stückes.

Kaube trifft (II)

Mittwoch, 11. November 2020, 15.30 Uhr

In der zweiten Gesprächsrunde trifft Jürgen Kaube die Linguistin Constanze Spieß (Universität Marburg) und den Rhetoriker Olaf Kramer (Universität Tübingen). Ausgehend von Kleists Darstellung sprachlicher Manipulation in der Herrmannsschlacht diskutieren sie die vielfältigen Beziehungen zwischen Sprache, Propaganda, Populismus und Gewalt.

Das Gespräch findet digital statt. Bitte melden Sie sich per Mail (info@kleist-museum.de) an, Sie erhalten dann einen Zugangscode.

Kaube trifft (III)

Mittwoch, 9. Dezember 2020, 15.30 Uhr

In der dritten Gesprächsrunde empfängt Jürgen Kaube die Literaturwissenschaftlerin Ethel Matala de Mazza (Humboldt-Universität zu Berlin; angefragt) und den Historiker Norbert Frei (Universität Jena; angefragt), um anhand der Rezeption der Kleistschen Herrmannsschlacht Fragen nach Nation und Nationalismus zu diskutieren.

Das Gespräch findet digital statt. Bitte melden Sie sich per Mail (info@kleist-museum.de) an, Sie erhalten dann einen Zugangscode.

Kaube trifft (IV)

Sonntag, 17. Januar 2021, 11 Uhr

Zur Finissage der Ausstellung unterhält sich Jürgen Kaube mit seinem Kollegen Simon Strauß über die schillernde Textsorte ‚Theaterkritik‘. Eine Lesung aus kurzweiligen Kritiken mehrerer Herrmannsschlacht-Inszenierungen umrahmt das Gespräch.

Medienpartner


Bitte beachten Sie: Aufgrund der geltenden Abstandsregeln sind die Plätze des Kleist-Museums begrenzt. Eine Voranmeldung ist für die Veranstaltungen der Gesprächsreihe deshalb erforderlich:
Tel. Kasse: 0335-387 221 30, E-Mail: kasse@kleist-museum.de.


Führungen mit der Kuratorin

Donnerstag, 22. Oktober 2020, 18 Uhr

Bevor Kleists Herrmannsschlacht als "grausames, absurdes, lustvolles und […] auch leise komisches Spiel" (Programm) im Theater des Lachens auf die Bühne kommt (20 Uhr), stellt Barbara Gribnitz dieses heftig umstrittene Stück kurz vor und führt durch die neue Sonderausstellung.

Sonntag, 15. November 2020, 15 Uhr

Hauptaugenmerk dieser Führung durch die Sonderausstellung liegt auf der kontrovers diskutierten Hermannsschlacht-Inszenierung am Bergtheater Thale 1957. Danach besteht die Möglichkeit, nicht ausgestellte Objekte dieser Inszenierung anzusehen.

Sonntag, 13. Dezember 2020, 15 Uhr

Die Führung durch die Sonderausstellung legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Hermannsschlacht-Inszenierungen der 1980er Jahre: Schauspielhaus Bochum (Regie: Claus Peymann), Kleist Theater Frankfurt (Oder) (Regie: Michael Helle) und Schauspiel Leipzig (Regie: Karl Georg Kayser). Danach besteht die Möglichkeit, nicht ausgestellte Objekte der Frankfurter und Leipziger Inszenierungen anzusehen.

 

Das digitale Begleitprogramm zur Ausstellung, Aufzeichnungen und Hintergründe finden Sie in den sozialen Medien unter #herrmannzeitgeist.