„Himmlischer Regen auf die Erde“
Kleist bei Fontane

Reproduktion (Fotogravüre) nach: Ismael Gentz, Theodor Fontane, 26.2.1888, Bleistift

Sonderausstellung des Kleist-Museums zu den Kleist-Festtagen

ab Oktober 2019

Theodor Fontane berichtet in Band 5 seiner Wanderungen nur beiläufig von Kleists Sterbeort und Grab, seine Dichtungen spielen dabei keine Rolle. Und doch hat sich Fontane im Zuge der wachsenden Kleist-Renaissance seit den 1870er Jahren ausführlich mit dem Werk Heinrich von Kleists auseinandergesetzt. 1872 las er sämtliche Dramen und Erzählungen und äußerte sich durchaus kritisch: Kleists außerordentliches Talent sei viel zu sehr "poetisch-romantisch", z.B. weil der Prinz von Homburg in einem unhistorisch aufgefassten Stück nicht als Held, sondern als "Waschlappen" auftrete. Die Erzählungen dagegen seien spannend und meisterhaft entwickelt, sogar in ihren schrecklichsten Momenten.

Fontanes Kleist-Lektüre ist eng an seine Tätigkeit als Theaterkritiker für die "Vossische Zeitung" 1870-1889 gebunden. Seine sieben Rezensionen zu Kleist’schen Stücken mildern die vorher scharfen Urteile deutlich ab.

Die Ausstellung fasst Fontanes Texte in ein Kleist-Bild, das zwischen aufrichtiger Bewunderung und verständnisloser Ablehnung schwankt. Bei einer Betrachtung der Lebenswege dieser beiden bekanntesten märkisch-preußischen Dichter klingen Parallelen an. Außerdem wird mit Fontanes historisch-vaterländischem Roman Vor dem Sturm von 1878 ein Panorama der Kleist-Zeit ausgebreitet.

Der Ausstellungstitel ist einer Äußerung Fontanes entlehnt. Über den Dichter Ernst von Wildenbruch, einen Enkel des Prinzen Louis Ferdinand, hatte er 1885 geschrieben: "Wenn Kleist nieste, fiel im Verhältniß zu W. ein himmlischer Regen auf die Erde."