Ausstellungen im Kleist-Museum und anderswo 2018

Musenhöfe an Oder und Spree

Gut Sellendorf um 1860
Sammlung A. Duncker

Ausstellungsdauer: 15. Juni bis 4. November 2018
Ausstellungsort: Stadt- und Regionalmuseum Lübben

Die Ausstellung präsentiert die Orte literarischer Geselligkeit um 1800 abseits der großen Zentren. Zahlreiche „Salons“ und „Musenhöfe“ befanden sich um Oder und Spree. Hier trafen drei historische Regionen aufeinander: Brandenburg-Preußen, Schlesien und die damals noch sächsische Niederlausitz. Gutsherren wie Graf Finck von Finckenstein im preußischen Madlitz oder Ernst von Houwald im sächsischen Sellendorf hielten intensiven Kontakt zu den Geistesgrößen, Künstlern und Schriftstellern ihrer Zeit und luden sie auf ihre Gutshöfe ein zur gepflegten Konversation, zu gemeinsamem Theaterspiel oder Musizieren. Grenzen wurden überschritten. Die Ausstellung Salons und Musenhöfe beiderseits der Oder, 2012 vom Kleist-Museum als deutsch-polnische Wanderausstellung konzipiert und 2015 um das Gebiet Niederschlesien ergänzt, bildet den Grundstock der Ausstellung.
Für die Präsentation im Stadt- und Regionalmuseum Lübben wurde sie um den Blickwinkel aus der Niederlausitz erweitert. 

Vernissage: 14. Juni 2018, 17 Uhr

Ort:
Stadt- und Regionalmuseum Lübben
Ernst-von-Houwald-Damm 14
15907 Lübben (Spreewald)
Tel: 03546/187478
www.museum-luebben.de

Eintritt: 4,50 Euro, erm 2,50 Euro

Besichtigungszeiten: Mi bis So sowie an Feiertagen 10 bis 17 Uhr

Eine gemeinsame Ausstellung von Kleist-Museum und Stadt- und Regionalmuseum Lübben.

Blick in die Ausstellung

© Museum Lübben

Brandenburgischer Kunstpreis

Ausstellungsdauer: 14. September bis 28. Oktober 2018

Seit 2004 werden mit dem Brandenburgischen Kunstpreis der Märkischen Oderzeitung und der
Stiftung Schloss Neuhardenberg herausragende Leistungen brandenburgischer Künstlerinnen und Künstler geehrt und ihre Werke in einer begleitenden Ausstellung auf Schloss Neuhardenberg der Öffentlichkeit präsentiert. Im Kleist-Museum ist, verbunden mit der Kalenderpremiere Brandenburger Art 2019, zum nunmehr fünften Mal eine Auswahl künstlerischer Arbeiten zu sehen. Im Mittelpunkt stehen das Kleist Projekt 2017 des diesjährigen Kunstpreisträgers in der Kategorie Grafik, Frank Diersch, Arbeiten der Kunstpreisträgerin in der Kategorie Plastik, Dorit Trebeljahr, und Fotografien des Nachwuchsförderpreisträgers 2014 Alexander Janetzko.

In Kooperation mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg und der Märkischen Oderzeitung.

Vernissage: 13. September 2018, 17 Uhr


...rasch wächst das dürre Gras Vergessen.
Wieland Förster und Heinrich von Kleist

Wieland Förster: Großer Einblick II, Bronze © Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Wieland-Förster-Stiftung

Ausstellungsdauer: 8. Juli bis 16. September 2018

Zehn Jahre befasste sich der Bildhauer Wieland Förster mit Heinrich von Kleists Wesen und Werk. In der tiefgreifenden und persönlichen Auseinandersetzung erkannte er eine „brüderliche Nähe im Umgang mit der Welt“ und eine Art „Seelenverwandtschaft“. Sowohl Kleist als auch Förster haben für ihre jeweilige künstlerische Arbeit das Spannungsfeld existenzieller Erfahrungen gewählt. In beider künstlerischem Schaffen ist die ganze Spannbreite zwischen Gewalt, Leid, Martyrium, Schmerz, Liebe, Eros und Schönheit erkennbar. Darüber hinaus findet sich in beider Oeuvre die Reflexion der politischen und sozialen Konflikte ihrer Zeit, die sie gleichnishaft und häufig in Verbindung zu antiken Mythen gestalten. Das plastische und zeichnerische Werk Wieland Försters wird von den Daseinskrisen des 20. Jahrhunderts bestimmt. Dabei reflektiert Wieland Förster vor allem die eigene Position, die vom Ringen um Wahrhaftigkeit, von Mut und dem notwendigen Bekenntnis zu dem als wahr Erkanntem bestimmt ist. Zum großen Teil erfolgte der Anstoß hierzu aus der eigenen Biografie und den zwangsweise durchlebten Selbsterfahrungen. Daher finden sich im künstlerischen Schaffen des Bildhauers häufig Darstellungen von Trauernden, von Opfern und Ohnmächtigen. Diese Metaphern, nicht zuletzt Ausdruck gegenwärtiger Ängste und Nöte, werden von Bildwerken kontrastiert, in denen die Standhaftigkeit des Einzelnen zum Ausdruck kommt. Neben Kleist widmet sich Wieland Förster den Literaten des 20. Jahrhunderts, die ihre Lebenserfahrung verarbeitet und dabei politische und soziale Gesellschaftszustände kontextualisiert haben. Zu ihnen gehören Heinrich Mann, Franz Fühmann, Peter Huchel, Johannes Bobrowski, Erich Arendt, Uwe Johnson, Pablo Neruda, Jean Genet und Elfriede Jelinek.

Kurator: Herbert Schirmer

Vernissage: 7. Juli, 15 Uhr

Die Ausstellung wird unterstützt von der Staatskanzlei des Landes Brandenburg, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Loscon-Kulturstiftung für Ostbrandenburg.


Ach! Echt? Kleist.
Heinrich von Kleist an Ulrike von Kleist.
Brief vom 13. und 14. März 1803.
Die Ausstellung zur Neuerwerbung


Ausstellungsdauer: 22. April bis 24. Juni

Mit der Ausstellung „Ach! Echt? Kleist“ und der begleitenden Faksimile-Ausgabe präsentiert das Kleist-Museum eine verloren geglaubte Kleist-Handschrift erstmals der Öffentlichkeit.
Genau an Heinrich von Kleists 205. Todestag im November 2016 erreichte uns die Nachricht, dass ein berühmter Briefschluss in einem österreichischen Antiquariat angeboten werde. Das Blatt galt, seit Ulrike von Kleist es abgeschnitten und an eine Freundin verschenkt hatte, als verschollen. Zugleich ist der „Abschnitt“ von Legenden umrankt. Die Nachricht des Wiederauftauchens war eine kleine Sensation – sensationell aber auch der Preis. Nach über einem Jahr, mit der Unterstützung von Fachgutachtern und der öffentlichen Hand, vor allem aber dank über 120 Wort-Paten, die an der Spendenaktion „Ein Stück Kleist“ teilnahmen, ist es im Februar 2018 gelungen, den Erwerb zu sichern und den Brief ins Kleist-Museum zu bringen. Nicht nur die Frankfurter machten in ihrer Begeisterung dem Sohn ihrer Stadt alle Ehre. Kleist-Freunde und Kleist-Forschende bundesweit und darüber hinaus halfen, diesen Brief zu erwerben und so für alle zugänglich zu machen.

Neben der Seltenheit von Kleist-Originalen liegt das Besondere des Briefes und der an die Familie zuhause gerichteten Grüße in seinem selten! – fröhlichen Ton. Der Brief an Schwester Ulrike markiert einen möglichen Wendepunkt in Kleists Leben, seinen Plan, in der Schweiz „im eigentlichsten Sinne ein Bauer [zu] werden“, hat er ad acta gelegt, sein erstes Drama ist erschienen. Er überlegt nach Frankfurt zurückzukehren und sich als Dichter zu erproben.

Die Ausstellung präsentiert neben dem Original-„Stück“ die aktuelle „Aktenlage“ zu dem Fragment, eine Bestandsaufnahme, die zu neuen Fragen an Kleist, seine Handschrift und seine Überlieferung einladen will. Herzlich willkommen in der „Mittelstube“ des Kleist-Museums!


Der Erwerb der Handschrift wurde unterstützt durch die Kulturstiftung der Länder, das Land Brandenburg und 129 private Spender.


Penthesilea: SchlachtGänge zwischen Text und Inszenierung

Plakat: © Peter Fetthauer

Ausstellungsdauer: 24. Februar bis 8. April 2018

Erst 68 Jahre nach Veröffentlichung des wortgewaltigen Dramas wurde Kleists Penthesilea uraufgeführt. Zeitgenossen verschrien das Stück als bühnenuntauglich. Mittlerweile stellen sich viele Bühnen der Herausforderung und setzen das vermeintlich Undarstellbare in Szene. Die hierbei oft irritierenden Interpretationen werfen Fragen auf: Können die im Text aufeinander schmetternden Heere durch ein Ensemble verkörpert werden? Ist der blutige und gewaltvolle Tod des Achill in Bilder zu fassen? Können Bühnenräume aus Kleists Worten entstehen? In mehreren Stationen führt die Ausstellung durch verschiedene Penthesilea-Inszenierungen der letzten Jahrzehnte und entfaltet Begegnungen zwischen Text und Theater.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Seminares „Kleist inszenieren, Kleist ausstellen“ von Studierenden der Freien Universität konzipiert.
Seminarleitung: Prof. Dr. Anne Fleig und Dr. Barbara Gribnitz

Vernissage mit Lesung: 23. Februar 2018, 17 Uhr

Von der weißen Wand zur Vernissage der Ausstellung:
Bilder aus dem Arbeitsprozess


Im Dialog mit Käthe Kollwitz: Wieland Förster

Wieland Förster: Selbstbildnis mit Kleist, 1977; Foto: © Kleist-Museum

Ausstellungsdauer: 2. November 2017 bis 18. Februar 2018
Ausstellungsort: Berlin

Wieland Förster (* 1930) gehört zu den wichtigsten deutschen Bildhauern der Nachkriegszeit. Mit Käthe Kollwitz verbindet ihn die Kraft, eigenes Leid im Krieg in Werke zu übersetzen, deren Kraft Klischees sprengt. Mit Heinrich von Kleist beschäftigten sich beide Künstler in kritischen Zeiten. Das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin bringt die beiden großen Bildhauer in einen Dialog der Werke – und auch über Kleist.

Ort:
Käthe-Kollwitz-Museum
Fasanenstraße 24
10719 Berlin

Öffnungszeiten: täglich, 11 bis 18 Uhr

Eine Ausstellung des Käthe-Kollwitz-Museums in Kooperation mit der Wieland-Förster-Stiftung bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Kleist-Museum Frankfurt (Oder).


Worte, Worte, nichts als Worte. Wortgeschichten von Luther und Kleist

Sonderausstellung des Kleist-Museums

8. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018

verlängert bis 4. Februar 2018

Martin Luthers Werke stehen am Beginn der Entwicklung einer überregionalen deutschen Schriftsprache. Dieser Prozess wurde erst in Heinrich von Kleists Schaffenszeit abgeschlossen. Luthers Sprachmächtigkeit errichtete der deutschen Sprache ein reiches Fundament an Wörtern, Bildern und Stilelementen, das – nach Jacob Grimm – um 1800 „endlich blüthen neuer Poesie“ hervorbringen konnte.

In diesem Sinne fahndet die Ausstellung nach Spuren der Luthersprache in Kleists Texten. Beispielsweise greift der Untertitel des Dramas Das Käthchen von Heilbronn Luthers Wortschöpfung „Feuerprobe“ auf (Sprüche 17,3), und in den Erzählungen Michael Kohlhaas und Der Zweikampf findet sich die veraltete Bezeichnung „Reisiger“, die nur noch über die Lutherbibel (1 Mos 50,9; 1 Kön 4,26) transportiert wurde. Auch Klang und Funktion der Kleistschen Erzählerformel „nun traf es sich“ stellen eine Verbindung zum biblischen „es begab sich aber“ her. Deutliche Parallelen lassen sich zudem zwischen Luthers hörerbezogener Zeichensetzung und Kleists grammatikalisch regelwidriger Kommasetzung ziehen.

Über Kleist hinaus, der als Verbindungsglied zwischen Neuzeit und Moderne fungiert, verfolgt ein Seitenblick den Weg der Lutherworte in unsere heutige Sprachpraxis: Welchen Veränderungen ist Sprache ausgesetzt? Wie hängen Macht und Sprache zusammen? Welche aktuellen Entwicklungen lassen sich erkennen?

Die Ausstellung wird eine komplexe Rauminstallation umfassen, die den Besucher_innen ein spielerisches (Wieder)Entdecken der lutherischen Sprache und eine interaktive Suche in den Texten erlaubt. Begleitet wird die Ausstellung durch Lesungen, Workshops, Spezialführungen und weitere thematische Veranstaltungen.

Kuratorin: Barbara Gribnitz
Gestaltung: Panatom Corporate Communication, Berlin

Vernissage: 7. Oktober, 17 Uhr

Die Ausstellung wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie Kulturland Brandenburg e. V.