Ausstellungen im Kleist-Museum und anderswo 2019

Kopfsache. Erika Stürmer-Alex zu Heinrich von Kleist

Erika Stürmer-Alex: Kleist, 1976; © Kleist-Museum

Ausstellungsdauer: 26. Mai bis 13. September 2019

Erika Stürmer-Alex, geboren im Oderbruch, ist eine Künstlerin, die Rang und Namen weit über die Region hinaus besitzt. Sie ist Malerin/Grafikerin und Bildhauerin, realisiert baubezogene Projekte, schreibt, fotografiert und ergründet in Performance und Installation Geschichte und Aura von Orten. Nach dem Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee bei Herbert Behrends-Hangeler und Kurt Robbel hatte sie ihr Atelier zunächst in Woltersdorf bei Berlin, zog dann Anfang der 1980er Jahre auf ein Gehöft in Lietzen, das sie zu einem Kunsthof und einer internationalen künstlerischen Begegnungs-und Arbeitsstätte ausbaute. Die vielfach ausgezeichnete Künstlerin erhielt u. a. 1992 den Förderpreis des Landes Brandenburg, war 1994 Ehrengast der Villa Massimo in Rom und bekam 2015 den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg für ihr Lebenswerk. Schon früh interessierte sich Erika Stürmer-Alex für den Dichter Heinrich von Kleist und hat sich in Bildern, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen mit seinem Leben und Werk auseinandergesetzt. Viele dieser Arbeiten wurden durch Wettbewerbe des Kleist-Museums angeregt und für die Sammlungen erworben. Sie bilden das Kernstück dieser Ausstellung, die erstmals die Ergebnisse einer über 50 Jahre währenden Annäherung an den Dichter zusammenfasst.

Kuratorin: Monika Tschirner
Gestaltung/Ausstellungstechnik: Frank Käubler, Werk 1

Vernissage: 26. Mai, 11 Uhr


Unausstehlich und reizend zugleich: Die Brandenburger.
Von der Erfindung einer kollektiven Mentalität in Literatur und Bildender Kunst

Baldwin Zettl: "Michael Kohlhaas" (Zyklus, Blatt 2), 1972, Kupferstich;
© Kleist-Museum

Ausstellungsdauer: 23. März bis 4. August 2019
Ausstellungsort: Kurt Tucholsky Literaturmuseum, Schloss Rheinsberg

Was Fontane über den märkischen Adel geschrieben hat, die "Kerle" seien "unausstehlich und reizend zugleich", gilt nicht weniger für das Bild, das er von der Mark Brandenburg und ihren Bewohnern im Ganzen zeichnete. Immer sind es Gegensatzpaare, die dem Schriftsteller zur Beschreibung dienen: nüchtern und charaktervoll, aber ohne jede Begeisterungsfähigkeit seien die Märker, ordentlich und sparsam, aber zugleich neidisch und engherzig. Charakterisierungen der Mark Brandenburg, der Landschaft und ihrer Bewohner, reichen zurück bis ins 11. Jahrhundert, als Reisende und Chronisten erste Aufzeichnungen über Land und Leute an Havel und Spree hinterließen, und sie reichen heran bis an die literarische Gegenwart. Für die Ausstellung wurden Zeugnisse aus der literarischen Überlieferung und der bildenden Kunst zusammengetragen, in denen sich die Symbiose von Landschaftscharakter und Mentalität zu konkreten Bildern verdichtet.

Eine Ausstellung des Brandenburgischen Literaturbüros und des Kurt Tucholsky Literaturmuseums in Kooperation mit dem Kleist-Museum.

Ort: Kurt Tucholsky Literaturmuseum
Schloss Rheinsberg 1
16831 Rheinsberg
Tel: 033931/39007
www.tucholsky-museum.de

Eintritt: 4,- Euro, erm. 3,- Euro, Familienkarte 8,- Euro

Besichtigungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17.30 Uhr


Was vom Drama übrigbleibt.
"Amphitryon" in den Sammlungen des Kleist-Museums

Programmheft, Frankfurt (Oder), 1991; (c) Kleist-Museum

Ausstellungsdauer: 1. März bis 12. Mai 2019

Kleists Lustspiel nach Molière, veröffentlicht 1807, erlebte seine Uraufführung erst 1899 am Neuen Theater Berlin, doch seitdem hält es sich stetig im Theaterrepertoire.
Doch was bleibt von den verschiedenen Inszenierungen? Welche materiellen Spuren hinterlassen sie?
Inwieweit verändern sich Gebrauchsgegenstände wie Figurinen, Bühnenbildentwürfe oder Plakate, wenn sie zu musealen Objekten werden? Diesen Fragen widmet sich die Sammlungspräsentation anhand ausgewählter "Überbleibsel" unterschiedlicher Amphitryon-Inszenierungen der letzten 50 Jahre.

Kuration: Barbara Gribnitz
Gestaltung: DIE WERKEN, Berlin

Eröffnungsgespräch: Donnerstag, 28. Februar 2019, 17 Uhr

Programmflyer


"Durch Krieg und Miswachs"
Eine begehbare Rauminstallation zu Heinrich von Kleists "Bettelweib von Locarno"

Illustration unter Verwendung einer Radierung von Jacques Callot (1592-1635); © Judith Philipp

Ausstellungsdauer: 14. Oktober 2018 bis 10. Februar 2019

1810 in den Berliner Abendblättern erstmals veröffentlicht, ist das Bettelweib vordergründig eine Gespenstergeschichte: Eine Bettlerin erhält von einer Marquise Obdach in einem Zimmer, wird vom Marchese jedoch hinter den Ofen befohlen. Auf dem Weg dorthin stürzt sie und verletzt sich so schwer, dass sie stirbt. Als die Herrschaften, in finanzielle Bedrängnis geraten, das Schloss verkaufen wollen, beginnt die Bettlerin am Orte ihres Todes zu spuken...

Die Erzählung kann aber zugleich als vehemente Kritik am Adel und möglicherweise gar an den herrschenden Verhältnissen interpretiert werden. Theodor Fontane bemerkt jedoch in seinen Aufzeichnungen 1872 trocken, als "moralische Erzählung" könne die Geschichte nicht recht wirken, da "das begangene Unrecht viel zu klein sei." – Eine nach heutigen Maßstäben empörende Aussage? An Kleists Erzählung knüpfen sich bis heute intensive Debatten und ganz gegensätzliche Interpretationen: Ist es nur eine "Schauermär" oder Ironie, nur moralische oder auch soziale Kritik? Und empören wir uns wirklich, wenn wir solch Unrecht heute sehen?
Zu den Kleist-Festtagen 2018 Inszenierte Wirklichkeiten – nimmt eine Gast-Künstlerin Kleists Erzählung von heute in den Blick, ohne das sprachliche "Inszenierungspotential" des Dichters zu übersehen.

Im ersten Teil fragt die Ausstellung nach den Wurzeln des Verständnisses der sozialen Verantwortung in der Kleist-Zeit und versucht gleichzeitig, eine Brücke zu schlagen zu einer heutigen Interpretation: Ist unsere Verantwortung für die Schwächeren der Gesellschaft durch das Sozialsystem des Staates und die viel beworbene "Corporate Social Responsibility" der Unternehmen abgegolten? Oder was bedeutet soziale Verantwortung heute für jeden Einzelnen von uns?

Im zweiten Teil wendet sich die Ausstellung dann dem Fantastischen in Kleists Erzählung zu, dem Dunklen, der angsterfüllten Frage: Wer da?! Die Ausstellung wird kuratiert von Judith Philipp, die als Szenografin einen ganz eigenen, räumlich-inhaltlichen Zugriff auf Kleists Erzählung wählt. Unterstützt wird sie in der Umsetzung von DIE WERKEN, einem Berliner Büro für Raumkonzepte und Installationen.

Kuratorin: Judith Philipp

Mit Werken von: Claus Korch, Ann-Kathrin Kampmeyer und Jan Peters

Sound Art: Marcus Thomas

Vernissage: 13. Oktober 2018, 15 Uhr